Sexsucht

Sexsucht – Krankheit oder nicht?

In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ wird unter dem Titel „Schlacht am Venushügel“ über Sexsucht berichtet. Ich finde den Artikel und das Thema aus ein paar Gründen bemerkenswert – deshalb ein paar Worte von mir. Auf das sie anregen mögen – zum Denken oder allem anderen…

Der Spiegel Artikel „Schlacht am Venushügel“

Crystal Renaud ist eine in den USA sehr bekannte Person. Sie begann mit 10 Jahren zu masturbieren, seit einem Besuch im Zeltlager nimmt sie sich das Recht, häufig Sex zu haben. In den USA, in denen ein „Playboy“ oder „Penthouse“ Heft in manchen konservativen Bevölkerungsgruppen schon als Teufelszeug betrachtet wird, soll Crystal Renard schon fast den Status einer Ikone haben. Die religiöse Rechte der USA, die eine ordentliche Portion Prüderie in der Gesellschaft bewahren (wenn auch nur nach Aussen hin – da sind wir uns glaube ich alle einig), führt dazu, dass sich die Liebhaber des Sex in Selbsthilfegruppen organisieren. Sie bezeichnen sich als „sexsüchtig“ oder auch „sexkrank“, als „Sexaholiker“.

Aber ist das wirklich eine behandlungsbedürftige Krankheit, ähnlich wie der Alkoholismus? Es mehren sich die Wissenschaftler, die sagen „Da wird aus einem völlig normalen Verhalten und den Grundbedürfnissen einer Sexualität künstlich eine Krankheit versucht zu machen„, so z.B. die Therapeutin Marty Klein. Tatsächlich sind die Kriterien, wann jemand als Sexsüchtig zu betrachten sei, äusserst schwammig und überhaupt nicht eindeutig. Die Therapeuten haben keinerlei einheitliche Methode der Diagnose. Eine der vorgeschlagenen Definitionen ist, abgeleitet von Umgragen zur Häufigkeit des Orgasmus bei Männern:

Als sexsüchtig ist zu betrachten, wer über einen Zeitraum von sechs Monaten wöchenlich mindestens sieben Mal einen Orgasmus hat.

Jüngst wurden die Kriterien verfeinert und ergänzt. Als pathologisch (= krankhaft) ist der Sexualtrieb einzuschätzen, wenn

  • der Gedanke an Sex so viel Zeit in der Gedankenwelt einnimmt, dass für andere Dinge kaum noch Zeit bleibt,
  • wenn Sex ausbleibt, sofort die Stimmung sich verschlechtert, Angstzustände eintreten

Aus dem Gesagten wird dann auch gefolgert: Sexsucht, wenn es sie denn gibt, wird nur von Laien behandelt. Beispiele aus der Presse, inklusive dem guten Charlie Sheen mit seinen Eskapaden, oder auch Lindsay Lohan, sind nicht wegen einer gewissen Lust und dem öffentlichen Umgang damit gleich als sexsüchtig zu bezeichnen.Übrigens: Crystal Renaud hat sich „therapieren“ lassen und übt jetzt völlige Enthaltsamkeit.

Meine Meinung zur Sexsucht

Nachdem ich den Artikel im Spiegel zwei Mal gelesen habe, denke ich: Sexsucht gibt es meistens überhaupt nicht. Da ist es vielmehr einigen sehr prüden Menschen gelungen, ein ganz normales menschliches Verhalten als abnorm zu stigmatisieren. Zuallererst in den prüden USA wird ja gerne Doppelmoral gepredigt. Und dann soll das etwas intensivere Ausleben von Lust gleich krank sein? Sieben Mal in der Woche einen Orgasmus zu bekommen – das soll dann schon abnorm sein?

Tsssst tssst. Ne ne – ich kann nur mit dem Kopf schütteln. Vermutlich weil ich so ganz haarscharf daran vorbeischramme, sexsüchtig zu sein. Ich nehme ja sogar ein Potenzmitel, um meine Krankheit auch ordentlich zu verstärken 🙂 Und übrigens: Ich freu mich drüber – und wenn das krank ist, dann fühl ich mich sauwohl, so krank wie ich bin, und ich werde mich nicht therapieren lassen 😉

Was meint ihr? Seid ihr auch sexsüchtig? Ist das schlimm? Schreibt mir – ihr könnt auch hier direkt kommentieren und diskutieren!